Lou Andreas-Salomé
1861 - 1937
 
 
Wer ist Lou Andreas-Salomé?
 

Nun, diese Frage zu beantworten ist trotz umfangreicher Literatur nicht ganz einfach. In dem Buch von Heinz Motel "Berühmte Persönlichkeiten und ihre Verbindung zu Göttingen" (Verlag Göttinger Tageblatt, 1993) findet sich auf S. 103 folgender Eintrag:

 

Lou Andreas-Salomé (* St. Petersburg 12. 2. 1861, + Göttingen 5. 1. 1937), Tochter des russischen Generals von Salomé, seit 1887 verheiratet mit dem Orientalisten Friedrich Carl Andreas. Sie war eine begeisterte Psychoanalytikerin, befreundet mit Friedrich Wilhelm Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Siegmund Freud. Sie schrieb Erzählungen, Essais und Romane. - Sie überlebte ihren Mann um sieben Jahre und wohnte weiter am Hang des Hainberges in ihrem Haus "Loufried". Nach ihrem Tode wurde das Haus an der Herzberger Landstraße für eine Neubebauung des Berghanges, von dem man einen weiten Blick über Göttingen bis zu den Weserbergen hat, abgerissen, aber am Eingang zum neuen Haus Herzberger Landstr. 101 wurde 1972 für sie und ihren Mann ein Gedenkstein errichtet.
 

In MEYERS GROSSES TASCHENLEXIKON, Bd. 1 (Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich, 1981) ist diese große Frau auf S. 337 wie folgt beschrieben:

 

Andreas-Salomé, Lou, Pseud. Henry Lou, * Petersburg 12. Febr. 1861, + Göttingen 5. Febr. 1937, dt. Schriftstellerin. - Tochter eines russ. Generals hugenott.-dt. Herkunft; studierte in der Schweiz Theologie, war 1882 kurze Zeit mit Nietzsche befreundet, seit 1887 verh. mit dem Orientalisten F. K. Andreas. Mit Rilke unternahm sie 1899 und 1900 Rußlandreisen. 1911 trat sie zu dem Wiener Kreis der Psychoanalytiker in Beziehung; studierte bei Adler und Freud und praktizierte auch. Schrieb Essays, Erzählungen und Romane, Autobiographie. Es erschienen posthum Tagebücher ("In der Schule bei Freud", 1958) und ihr Briefwechsel mit Rilke (1952) und Freud (1966).
 

Obwohl gerade in den letzten Jahren einzelne, vor allem autobiographische Schriften von ihr erschienen sind, ist Lou Andreas-Salomé heute als Schriftstellerin kaum bekannt. Meist wird sie mit drei großen Repräsentanten der deutschen Geistesgeschichte in Verbindung gebracht und verfolgt man ihre Lebensgeschichte genau, so hat sie auf diese auch entscheidend Einfluß ausgeübt: Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud.

Mir ist Lou Andreas-Salomé erstmals in meiner Beschäftigung mit der Psychoanalyse aufgefallen als ich in einem Antiquariat ihren Bericht über die Studienjahre in Wien und im Umfeld Sigmund Freuds fand ("In der Schule bei Freud", 1958). Ich fand eine Frau vor, die schon in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ein emanzipiertes Leben führte - was bei bestehender Dominanz der Männerwelt zu dieser Zeit und rigiden Moralvorstellungen, die die Freiheiten der Frauen unendlich mehr einschränkten als die der Männer, zweifellos nur schwer zu verwirklichen war. Schon früh war sie stark intellektuell geprägt und setzte sich mit existenziellen Fragen auseinander. Sie widersetzte sich bereits in jungen Jahren Traditionen und entwickelte sich zu einer autarken Frau, die selbst leidvollen Erfahrungen Positives abzugewinnen versuchte. Durch ihre Lebensweise und ihre konsequente Umsetzung eigener Ideen und Ansichten, die faktisch betrachtet eigentlich keine Rätsel aufgeben dürften, entstand um Lou Andreas-Salomé eine Aura des Geheimnisvollen.

Mich hat die Frau und der Mensch Lou Andreas-Salomé seit dem ersten "Zusammentreffen" stets fasziniert und ich bewundere sie. Da ich im Internet keine Seiten fand, die sich ausführlicher mit ihr beschäftigen, wollte ich ein paar Anmerkungen und Fakten zusammentragen und würde mich über lebhaftes Echo freuen!


Die Spannweite der Urteile über Lou Andreas-Salomé mögen die nachfolgenden Zitate belegen, die ich der rororo-Bildmonographie von Linde Salber aus dem Jahre 1990 entnommen habe:

Friedrich Nietzsche

Marie von Ebner-Eschenbach Rainer Maria Rilke Sigmund Freud Viktor von Weizsäcker  


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Created: April 23rd, 1998