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Wie alles begann:

Letztes Jahr hatte ich einen Kollegen, der behauptete, er würde mit altem Frittenöl aus einem Nordseerestaurant seinen Wagen betreiben.

Diese Idee gefiel mir gut. Obwohl ich schon ein Auto mit Ottomotor besitze, war ich nun auf der Suche.

Auf der Suche nach meinem persönlichen Versuchswagen.

Die Suche und Instandsetzungsorgie (20.09.02 - 01.11.02):

Über Wochen hab ich ebay und Kurz&Fündig durchstudiert. Irgendwann war's dann soweit. Ich hab ich mir meinen "VERSUCHSWAGEN" gekauft. Einen Ford-Fiesta DIESEL.
Ich wollt nämlich unbedingt wissen, ob das mit dem Pflanzenöl (kaltgepresst oder raffiniert / kein Rapsmethylester [RME:Biodiesel]) als Dieselersatz funktioniert.

Dumm daran ist, dass ich eigentlich gar kein Auto brauche. In die Schule fahr ich mit der S-Bahn und sonst kann ich mit dem Moped fahren. Aber egal. Und so kam's zum Fahrzeugkauf. Das Augenmerk sollte also auf ein Fahrzeug gerichtet sein, das erstens über einen Selbstzünder verfügt und zweitens nicht übermäßig teuer ist, denn falls es doch nicht funktioniert, sollte das Fahrzeug ohne übermäßige Schmerzen entsorgt werden können.
So ergab es sich, dass ich mir für 150 Euro ein Ford-Forunkel andrehen lies.

Trotzdem ich weder Diesel noch Ford besonders mag!!

Leider war der TÜV fast abgelaufen (2 Wochen) und das Getriebe machte eigenartige Geräusche. Machte mir aber nix aus, weil ich wollte ja nur TESTEN.
Bei näherer Untersuchung musste ich dann doch erkennen, dass eine Komplett-Überholung nötig war. Ersetzt wurde als erstes das Getriebe. Meine Untersuchung ergab, dass die Differentiallagerung wohl schon ein paar Jahre zuvor aufgegeben hatte. Da konnten auch die stärksten Radialwellendichtringe das Getriebeöl nicht zurückhalten. Auch die Kupplung zeigte erheblichen Verschleiß sowohl an Reibscheibe als auch an der Membranfeder. Hier hatte das Ausrücklager seinen Beitrag geleistet. Das Radlager, der  Zahnriemen und die  HU mit AU waren dann nur noch schmückendes Beiwerk. So hat es finanziell jetzt doch einigermaßen eingeschlagen. Aber egal (schluchz......).

Erste zarte Versuche ( 15.11.02 ):

Ja, es geht. Ca. 30 Liter Bellasan vom Aldi (69 cent/L)sind bereits verheizt. Ein kleiner Müllberg an Flaschen ist entstanden. Start ist mühsam und laut (siehe FK-Buch Kapitel Selbstzündung, Cetanzahl und Zündverzug!!), aber bei betriebswarmen Motor läuft er sehr gut.

Lösung:
Zwei Tanks: Einer zum Starten, einer zum Fahren und noch zwei Vorwärmungen (elektrisch für schnell, Kühlwasser für Stromsparen). Das ganze wollte ich möglichst bald verbrechen, aber leider ist mein Zweittank noch nicht aufgeschlagen und meine Adapterhülse für den Kühlwasser/Diesel Wärmetauscher (ehemaliger Kühlwasser/Ölkühler von VW/Audi) ist auch noch nicht fertig. Darum hab ich heute frei.
Zum Flaschenproblem:
Ich habe in Feldkirchen/Westerham ein Lagerhaus gefunden, wo man das PÖL (kaltgepresstes PÖL aus lokalem Anbau) an einer Zapfsäule(!!) zu 61 cent/Liter bekommt. Sehr gut. Keine Flaschen mehr! Zum anderen hab ich im Internet einen Anbieter aus Hohenthann (Support your local Dealer!) von gereinigtem Frittenöl gefunden: 57 cent/Liter.
Stellt sich die Frage, ob der ortsansässige Grieche das ganze für vielleicht für sagen wir mal 0 cent pro Liter hergibt und man das ganze selber durch einen Filterflies haut.
Ich werde dranbleiben und als nächsten Schritt mit der Monika mal griechisch essen gehen (wahrscheinlich 50 Euro pro Person ) und anschliessend die peinliche Frage: ÖH, JA..., ich hab hier grad was Frittiertes gegessen! Könnten Sie mir das Öl dazu vielleicht in diesen, zufällig mitgeführten Kanister füllen?
Wir werden sehen.

Der Umbau (25.11.02):

 

Erste Erfahrungen mit Zweitankbetrieb (12.12.02):

Eine Prüfung, gestern abend, ergab, dass das PÖL bei -8°C noch flüssig ist. Wie sonst auch.
Ich habe bei meiner Überprüfung der Glühkerzen am Samstag habe ich eine davon getötet. Es war Rost an dem Gewinde für die Mutter des elektrischen Anschlusses. Dabei hat sich wohl ein kleiner, unbemerkter, innerlicher Kurzschluss ergeben. Das Ergebnis war, dass mir das sogenannte "Fuse-Cable" an der Batterie in Rauch aufgegangen ist. Neuer Anschluss dran, verdächtige Kerze abgeschlossen, und weiter geht's.

Bei dieser Überprüfung ist auch aufgefallen, dass es den Kraftstoff bei Stillstand des Motors langsam aber sicher wieder in den Tank zurückzieht.
Grund ist wahrscheinlich eine leicht schwächliche Flügelzellenpumpe in der VE (Verteilereinspritzpumpe), das Gefälle zum Tank und verschiedene Stellen mit Lufteintritt. Es ist auf jeden Fall kein Unterdruck im Tank, weil es auch bei offenem Tankdeckel "zieht". Das erklärt auch, warum bei meiner letzten Bastelung kein Diesel in den Leitungen war.

Verbesserung dazu am Freitag: Rückschlagventil. HÄ, HÄ!

Weiters:
PÖL ist zähflüssig. Darum ist es schwer aus dem Tank zu fördern. Zwei Folgen ergeben sich daraus:
mangelnden Fördermenge
Großer Unterdruck und dadurch tritt Luft ins System ein. Schlecht bei nicht vorhandenem Rücklauf und dadurch fehlender Entlüftungsmöglichkeit.

Verbesserung dazu:
Elektrische Vorförderpumpe nahe dem PÖL-Tank. HÄ,HÄ!

Weiters:
Elektrische Vorwärmung direkt vor der Einspritzpumpe! HÄ, HÄ!

Das alles passiert hoffentlich am Freitag-Nachmittag. Am Samstag ist die große Probefahrt nach Prien am Chiemsee geplant.

Schau ma mal, ob er durchhält.

Anmerkung: Ich scheiss auf Müntefering's Worte. Ich spar nicht, sondern ich kurbele die Wirtschaft an. Ich hab das mit der Wirtschaftskurve (Boom vs. Depression) nämlich verstanden! Fast täglich kommen kleine Päckchen, in denen Weihnachtsgeschenke vermutet werden. Aber nein! Es steht "Versuchswagen" drauf. So eine Enttäuschung!

Erste Erfahrungen mit Zweitankbetrieb (16.12.02):

Am Freitag war ich zu müde und zu überhaupt.

So, aber am Samstag war die Reise nach Prien am Chiemsee angesetzt.
Samstag:
Also am morgen aus den Federn.
6.00 Uhr:
Holz hacken, Holz und Scheite ins Haus tragen, Auto abkratzen, zum Bäcker
fahren (mit dem Fahrrad), Frühstücken, Zähneputzen und los.
Los heißt:
Vorglühen, Vorglühen, Starten, Vorglühen, Starten --- Rauch und Lärm.
Noch einmal Scheiben abkratzen.

Achmed´s Garage:

Einbau einer elektrischen Vorförderpumpe (von der Firma Hardi) ganz nah am Tank für Pflanzenöl.
Durchtüteln einer Plusleitung durch mein wunderbares Lehrrohr (aus der Hausinstallation), das schon die PÖL-Leitung beheimatet. Wenn's mal wieder länger dauert. :-)
Anschluss an ein Relais im Motorraum. Verbindung mit Schalter am Armaturenbrett herstellen.Damit ist der dritte von der vieren belegt. ( Nr.1: 3/2 Wegeventil für die Entscheidung Diesel/PÖL. Das zweite für die
Entscheidung zurück in den Dieseltank/Kurzgeschlossener Rücklauf.).
Vorbereitung (Löcher bohren und so) des Einbaus der elektrischen Kraftstoffheizung "Dieseltherm" von der Firma ATG.
Anmerkung: Diese Heizung ist nichts anderes, als zwei Anschlussstücke
einer Kraftstoffpumpe oder eines Dieselfilters mit einer Hülse zusammengeschraubt. Dann noch eine handelsübliche Glühkerze hinein und fertig ist es. Man möchte meinen, das sei gefährlich! Aber erstens gibt's einen Temperatursensor, der angeblich das ganze bei 40°C PÖLtemperatur abschaltet und zweitens gibt's vom Kraftfahrtbundesamt eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) dazu. So gefährlich kann's also nicht sein. Hoffe ich halt.
Dann ging der Versuchswagen auf die Reise: Mit 100 - 120 km/h Durchschnittgeschwindigkeit hatten wir keine Probleme.
2 x 76 km ohne einen Tropfen Diesel. Einmal abgesehen von den Spülverlusten für's Starten in Prien! Man erinnere sich an dieser Stelle an das Zweitanksystem: Diesel starten/PÖL fahren.
Keine Geräusche bis auf das vertrauensvolle Ticken einer elektrischen Vorförderpumpe. Kein Leistungsverlust. Alles wunderbar.
Erkenntisse:
Leider wird nach 76 km(!!) der angeschraubte Filter am Eckes-Wärmetauscher (Audi-Ölkühler) nur handwarm und der nachgeschaltete Seriendieselfilter bleibt kalt. Ob hier Isolierung von Leitung und Filter Abhilfe schafft wird sich zeigen.

Ob man bei der besagten Durchschittsgeschwindigkeit die el. Vfp in Betrieb setzt oder nicht, spielt interessanterweise keine Rolle.

Sonntag:
Einbau der Vorheizung "Dieseltherm".
Im Prinzip ja nur noch die Kabel verlegen. Kabel ablängen, Stecker trantüteln, Relais anschliessen, Schalter im Innenraum anbringen und verkabeln.

Das dauert! Wie machen das die Profiumrüster?
Ich hab also gestern abend das Werk vollbracht.
Erstens:
Heizung ist am Frontblech anmontiert. Entfernung zur Einspritzpumpe: 20cm.
Nächstes Mal kaufe ich mir gleich den, den man als "IN"-Schraube in die Einspritzpumpe setzen kann. Ist einfach praktischer.
Zweitens:
Überaus Formschöner Drehschalter im Kleingeldsammler am Armaturenbrett integriert. Die integrierte Lampe zeigt an, ob die Heizung gerade heizt, oder ob Sie sich in der Pause befindet. Praktisch, das weiss man auch gleich, wann die PÖLtemperatur durch den Eckes-Wärmetauscher erreicht wird. Nämlich dann, wenn immer Pause ist.
Auf der Probefahrt, die auch gleichzeitig die Heimfahrt war, hat sich herausgestellt, dass bei ca. 5°C die besagte Temperatur von 40°C nie erreicht wird. Schade eigentlich.
Aber fahren tut er trotzdem gut!

Erster PÖL-Schaden:

Leider hat sich schon der erste PÖL-Schaden eingestellt:
Durch die Vorförderpumpe ist nun plötzlich Druck, wo früher Drucklosigkeit herrschte. Nämlich in der Leckölleitung (Nur ein Schwein denkt an Schlimmes) der Einspritzventile. Das hat der ältliche Blindstopfen am vierten Zylinder mit seiner Abdankung quittiert. Das ist vielleicht eine Sauerei. Wie beim Fisch. Deckel auf, alles voller Öl, alle Fische tot.

Versuchsfahrt nach Burglengenfeld (27.12.02):

Nach Instandsetzung (Abdichtung) der Leckölleitung konnte am 27.12.02 eine Versuchsfahrt nach Burglengenfeld (kurz hinter Regensburg ca. 170 km einfach) starten.

Eine Hochrechnung ergab, dass man mit einem Kraftstoff-Streckenverbrauch  (TB. Seite 58) von 5l/100 km die gesamte Distanz hin und zurück mit einer PÖL-Tankfüllung von 20 Litern fahren können müsste. Vorsichtshalber noch schnell den Reservekanister mitgenommen und auf die Reise gegangen.

Bei einer Geschwindigkeit zwischen 130 und 140 km/h ist wohl der Verbrauch mit PÖL höher als die angesetzten 5l/100 km. Bei der Rückfahrt hat der Motor 500m vor der Ausfahrt Wolnzach seinen Dienst versagt. PÖL-Mangel.

Ausrollen lassen, die Ausfahrt raus. Längeres Starten. Start mit Diesel erfolgreich. Betanken aus dem Reservekanister.

Erkenntnis:
Erstens:
Der Wagen braucht mehr als gedacht (genaue Ergebnisse werden nachgereicht!).
Zweitens:
Das Rapsöl ist verdammt zäh. Zäher als ich gedacht habe. Das Betanken mit einem 20 Liter Kanister hat ca. 20 min (!!!) gedauert.
Hier kommt wieder die Idee des beheizten PÖL-Tanks ins Spiel. Wie lange dauert die Erhitzung eines solchen Tanks und wie lange kann er die Wärme halten?
Wäre bei täglichem Betrieb das PÖL noch warm?
Drittens:
Auch bei halbwegs liebloser Isolierung der Leitungen hat die elektrische Dieselheizung nicht abgeschaltet.